Gemeinsam Erinnern - Brücken bauen

Im Rahmen einer Fachtagung in Bernried feierte der Bayerische Jugendring (BJR) gemeinsam mit ConAct, dem Koordinierungszentrum Deutsch-Israelischer Jugendaustausch, und der Stadt Jerusalem am 26./27. Mai 2008 die 50-jährige deutsch-israelische Partnerschaft und stellte das neue bilateral erarbeitete Handbuch „Gemeinsam Erinnern – Brücken Bauen“ vor.

Mit Hilfe des Handbuchs, einer zweisprachigen, deutsch-hebräischen Sammlung von Texten, Informationen und Methoden soll die Erinnerung an den Holocaust und deutsch-israelische Gedenkfeiern zukünftig noch besser umgesetzt werden können. Seit 50 Jahren organisiert der Bayerische Jugendring (BJR) den Jugend- und Schüleraustausch zwischen Bayern und Israel. Junge Menschen kommen in diesem Rahmen zu meist vierzehntägigen Begegnungen zusammen, um die jeweils andere Kultur, Lebensweise und Geschichte kennenzulernen. Die gemeinsame Auseinandersetzung mit der deutsch-jüdisch-israelischen Geschichte ist dabei ein zentraler Bezugspunkt ebenso wie das Gedenken an die Opfer und die gemeinsame Verantwortung für das erinnern heute. Die Begegnungsprogramme der Jugendlichen beinhalten immer einen gemeinsamen Besuch ehemaliger Konzentrationslager und Gedenkorte. Dabei sind gemeinsame Gedenkzeremonien noch keine Selbstverständlichkeit, verdeutlichen diese Orte jungen Deutschen und jungen Israelis doch immer wieder auch die Zugehörigkeit zu den Nachfolgegenerationen der Täter und Zuschauer bzw. der Opfer. Dieses Bewusstsein erschwert meist eine Verständigung der Jugendlichen und führt zu einer emotionalen Distanz nach bis dahin zunächst erlebter freundschaftlicher Annäherung.

Die Herausgeber des Handbuchs betonen, dass der Prozess der Auseinandersetzung mit der Geschichte und der Gegenwart, vor allem aber das gemeinsame Gedenken sensibler, pädagogischer Vorbereitung, Durchführung und Nachbereitung bedarf, um die damit verbundenen starken emotionalen Reaktionen aufzufangen. Ziel und Zweck dieser Handreichungen ist es, all denen hilfreiche Materialien und Anregungen zu geben, die im deutsch-israelischen Jugendaustausch tätig sind und nach neuen Wegen suchen, gemeinsames Erinnern und Gedenken zu gestalten. Nichts wird schließlich so rasch inhaltsleer wie ritualisiertes, pflichtgemäßes Gedenken.

Das Handbuch ist in vier Abschnitte gegliedert: Gemeinsam Erinnern - Praxisbeispiele, Materialien sowie Gebete und Texte für die Gedenkfeier. Sie enthalten Leitgedanken zum historischen Gedenken, Fragestellungen zur pädagogischen Arbeit, Texte und Beispiele für Gedenkfeiern, Informationen zu Gedenkorten in beiden Ländern sowie Hinweise auf unterstützende Organisationen, pädagogische und historische Fachliteratur sowie Website-Links. Das vorliegende Handbuch „Gemeinsam Erinnern- Brücken Bauen“ entstand in einem 3-jährigen bilateralen Arbeitsprozess auf der Basis der vielfältigen, über viele Jahre bei Jugend-Austausch-Programmen gesammelten Erfahrungen. Hinter den Verantwortlichen in München, in der Lutherstadt-Wittenberg und in Jerusalem liegt eine lange und aufwendige Zeit der Materialsammlung, Übersetzung und Abstimmung, aber „das Handbuch war allen eine Herzensangelegenheit“, so Monika Sailer vom BJR, die das Werk gemeinsam mit Merav Levy von der Stadt Jerusalem, Christine Mähler von ConAct sowie der israelischen Expertin Dr. Nili Keren verfasst hat und vorstellte. Das Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend sorgte für die finanzielle Förderung des Projekts.

Zielgruppen der Handbuchs sind Deutsche und Israelis, die mit Gruppen die Gedenkstätten/ Gedenkorte in Deutschland und Israel besuchen, dabei vor allem die Jugendlichen schulischer und außerschulischer Austauschprogramme. Nicht zuletzt aber empfiehlt sich das Handbuch auch für Fachkräfte der Jugendarbeit und Leiter von Begegnungen in beiden Ländern. Ob die anspruchsvolle Textauswahl des Handbuchs auch für Jugendliche ethnischer und religiöser Minderheiten in beiden Ländern sowie für sogenannte bildungsbenachteiligte Jugendliche und Jugendliche anderer Länder in Zentral und Osteuropa geeignet ist, wird erst die Praxis zeigen, darüber hinaus aber auch die Bereitschaft der Herausgeber, weitere Perspektiven auf die NS-Geschichte und andere Opfer der NS-Verbrechen einzubeziehen. Sinnvollerweise ist der gewichtige Ordner in Loseblattform angelegt und daher für Ergänzungen und Aktualisierungen im Materialteil offen. Es werden auch keine fertigen, starren Abläufe von Gedenkzeremonien vorgegeben, sondern es können je nach lokalen Gegebenheiten und Voraussetzungen der Teilnehmer jeweils eigene Formen des Gedenkens mit den Jugendlichen entwickelt werden.

Kontakt

Das Handbuch kann zum Preis von € 30 / ermäßigt € 15 bestellt werden bei: Bayerischer Jugendring per Email: online-bestellung [at] bjr [dot] de oder bei ConAct - Koordinierungszentrum Dt.-Isr. Jugendaustausch: info [at] conact-org [dot] de