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"Schindlers Liste" - Handlungsspielräume und Entscheidungen

Gottfried Kößler: Entscheidungen. Vorschläge und Materialien zur pädagogischen Arbeit mit dem Film „Schindlers Liste“. Frankfurt am Main: Jüdisches Museum Frankfurt am Main 2005

Ziel des Materialienbandes ist es, methodische Anregungen zu geben mittels derer Jugendlichen die Möglichkeit eröffnet wird, den Film nicht nur zu konsumieren, sondern ihn filmanalytisch zu bearbeiten. Es werden drei Arbeitsformen angeboten, die helfen sollen, im Film angelegte Themen, die sich für die nicht umfassend informierten Betrachter/innen nicht erschließen, zugänglich zu machen.

Innerhalb der Arbeitsform „Probeweise Rollenübernahme“ wird anhand von 12 Schlüsselszenen des Filmes den Motivationen der Protagonist/innen nachgespürt. Um z.B. mit einem Rollenangebot „SS-Mann“ nicht emotional zu überfordern bedarf es dabei einer gewissenhaften Vorbereitung. Den Jugendlichen muss dabei klar sein, dass es sich um das Hineinversetzen in eine fiktionale Person handelt. Dies verhindert einerseits, dass sie sich von der Person distanzieren („Der war ein Monster! Der hat mit mir nichts zu tun!“) und andererseits die pädagogisch ungewollte Identifikation mit Verbrechern und Mördern. Der fiktionale Charakter macht es aber möglich, sich die Handlungsweisen der Protagonist/innen zu vergegenwärtigen und in ihrer Perspektive weiterzudenken. Dies, so Kössler „nimmt die Distanz zum historischen Ereignis ernst und ermöglicht gleichzeitig eine Aktualisierung“.

Für die Arbeitsform „Quellenarbeit“ werden auf mehr als 40 Seiten sehr unterschiedliche Materialen wie Berichte von Überlebenden, Fotographien, Dokumente der Täter, Karten und kurze Überblickbeiträge aus der geschichtswissenschaftlichen Literatur angeboten. Ziel der Quellenarbeit ist es, die fiktionalen Anteile der Filmerzählung sowie die Narration des Filmes, welche auf die Rettung zuläuft, zu kontrastieren, um so Jugendliche zu unterstützen ein angemesseneres Bild von der Geschichte des Holocausts zu entwickeln, als dies allein auf der Basis des Spielfilmes möglich ist.

Bei der „Filmanalyse“ stehen nicht die historischen Ereignisse, sondern der Film „Schindlers Liste“ im Blickpunkt. Anhand von sechs Sequenzen wird die Inszenierung des Films nachvollzogen. Die Recherche der filmischen Mittel lässt sich mit der Einbeziehung des kulturwissenschaftlichen Beitrags von Hanno Loewy, dem Spiegelinterview mit dem Regisseur Steven Spielberg aus dem Jahr 1994 sowie verschiedenen Filmkritiken aus deutschen und internationalen Zeitungen noch vertiefen.

Alle benannten Beiträge sind dem Heft angefügt. Für die pädagogische Arbeit zum Film ist die Publikation sowohl ein die weitere Vorbereitung strukturierendes Informationsmaterial für die Pädagog/innen selbst, als auch als Unterrichtsmaterial für den Einsatz in der Praxis geeignet.

Link:

Der Materialband „Entscheidungen“ kann über das "Jüdische Museum Frankfurt am Main" bezogen werden:
http://www.juedischesmuseum.de/publikationen/kataloge/paed_schriften.html

Die Vorschläge zur filmanalytischen Arbeit sind online nachzulesen:
http://www.erinnern.at/e_bibliothek/medien/806_Kosler,%20Filmanalyse%20Spielberg.pdf