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Online-Angebote des Europäischen Netzwerkes Erinnerung und Solidarität (ENRS)

Von Tanja Kleeh

Auf seiner Homepage stellt das Europäische Netzwerk Erinnerung und Sollidarität (ENRS) das breite Spektrum seiner Projekte und Bildungsarbeit vor. Das modern gestaltete Webportal ist komplett auf Englisch gehalten. Unter den Reitern „projects“ und „knowledge“ finden sich die für die Bildungsarbeit wichtigen Themen, die unterschiedlich aufbereitet wurden. Die Startseite gibt einen Überblick über aktuelle Veranstaltungen und Ausschreibungen, kürzlich veröffentliche Artikel sowie organisatorisches des ENRS, beispielsweise Jobangebote. Das Seitenkapitel „Who we are“ bietet einen kurzen historischen Abriss über die Organisation sowie eine Vorstellung der hauptamtlichen Mitarbeiter*innen und der internationalen Mitglieder der Gremien des Netzwerkes.

Projects

Das ENRS erinnert auf der Unterseite „Projekte“ noch einmal, was sein Zweck ist: Es soll die Erforschung der Geschichte des 20. Jahrhunderts und die Erinnerung daran gefördert werden. Die Projekte, so die Eigenbeschreibung, beinhalten jährliche Vernetzungstreffen genauso wie unterschiedliche kulturelle Initiativen und Bildungskampagnen. Da für die Vorstellung jedes aufgeführten Projektes der Umfang dieses Beitrages bei Weitem nicht ausreicht, wird sich auf eine Auswahl laufender Projekte beschränkt.

Zu den aktuellen Projekten gehören etwa das „European Remembrance Symposium“ und „In Between?“. Der Aufbau – Beschreibung des Projektes, Archivierung der bereits durchgeführten Projekte, entsprechende Artikel, Videos und Publikationen – ist bei der Vorstellung aller Projekte auf der Homepage gleich. Das Oral-History-Projekt für Studierende unter dem Titel „In Between?“ wird in europäischen Grenzregionen durchgeführt. So ging es 2019 für die Teilnehmer*innen nach Polen, genauer gesagt in die historische Grenzregion Pommern, und 2018 nach Rijeka in Kroatien sowie die gegenwärtige Grenzregion zwischen der Slowakei und Tschechien. Wie beispielsweise in Videos aus dem Jahr 2016, in dem die Teilnehmer*innen in das ungarisch-kroatische Grenzland fuhren, befasst sich das Seminar mit Fragen nach Identität, Herkunft und Biografien. Neben Interviews liegt der Schwerpunkt auf dem Erfassen von audiovisuellen Quellen, d.h. Fotografien und Videobeiträgen. Die Teilnehmer*innen werden in einem interdisziplinären Workshop auf ihre Arbeit vorbereitet, bevor sie in Kleingruppen ihre Recherche durchführen. Dieses Jahr findet „In Between?“ aufgrund der Covid_19-Pandemie als Online-Workshop mit dem Schwerpunkt Fotographie und Erinnerung statt.

Das „European Remembrance Symposium“ – für 2020 in Tallinn angesetzt und aufgrund der Pandemie ins Jahr 2021 verschoben – bietet eine Austausch- und Vernetzungsplattform für Erfahrungen im Umgang mit der Erinnerung an die europäische Geschichte des 20. Jahrhunderts. Erstmals 2012 in Danzig veranstaltet, finden sich die Vorträge und Diskussionen vergangener Symposien in Videoform auf der Homepage sowie auf dem YouTube-Kanal des ENRS. So stand etwa das Symposium 2018 in Bukarest unter dem Motto „After the Great War. Challenges for Europe 1918 – 2018“. Entsprechend befassten sich die Diskussionen unter anderem mit der Frage nach unterschiedlichen Zugängen zur Erinnerung an den Ersten Weltkrieg oder dem Einfluss des Krieges auf heute. Das Feld der Teilnehmer*innen ist dabei sehr vielfältig – neben Historiker*innen, Mitarbeiter*innen von Museen und Gedenkstätten finden sich beispielsweise auch Diplomat*innen. „After the Great War“ ist zudem der Titel einer Wanderausstellung, die nach Stationen in u.a. Verdun, Berlin, Bratislava und Krakau derzeit in Rijeka zu sehen ist. Der Ausstellungskatalog ist online auf Englisch und Polnisch verfügbar. Zudem bieten Videos einen ersten Einblick in die Ausstellung und eine Führung mit Prof. Jay Winter von der Yale University, der im wissenschaftlichen Beirat das Projekt begleitet hat.

Ebenfalls der Erinnerungskultur widmet sich das Projekt „Genealogies of Memory“. Hierbei soll der Austausch zwischen Akademiker*innen aus Zentral- und Osteuropa gefördert werden: Worin liegen die Unterschiede, worin Gemeinsamkeiten in der Erinnerungskultur? Der Fokus liegt in diesem Jahr auf dem Holocaust in der lokalen und globalen Perspektive . Die einzelnen Sektionen werden im Verlauf des Monats November gestreamt und finden ausschließlich im Netz statt. In den vergangen Jahren standen etwa „Memory and Religion“ (2018) oder „Legal Frames of Memory“ (2013) auf dem Programm. Wie auch bei den anderen Projekten können die Diskussionen in Form von Videos nachgeschaut werden.

Einen etwas anderen Zugang zur Erinnerungsthematik wählt das Projekt „About January 27 – International Holocaust Remembrance Day“. In Zusammenarbeit mit dem Haus der Wannseekonferenz in Berlin ist der Kurzfilm „Memento“ entstanden. Der Kurzfilm im Stil einer Graphic Novel reiht bekannte Elemente der Erinnerungskultur wie fahrende Güterwaggons, Schienen und den Davidstern aneinander. Durch die Verdichtung der Motive sowie den eindringlichen Blick des Protagonisten hinterlässt der Film trotz seiner Kürze einen bleibenden Eindruck.

Knowledge

Das ENRS bietet unter dem Reiter „Knowledge“ ein umfangreiches Recherchetool. Aufgeteilt in die Kategorien „Articles“, „Publications“, „Videos“ sowie „CFP & CFA“ können Hintergrundinformationen zu unterschiedlichen historischen Themen des 20. Jahrhunderts erworben werden. So finden sich unter den „Publications“ beispielsweise Ausstellungskataloge, aber auch begleitende Schriften zu Projekten des ENRS wie „Sound in the Silence“. Diese werden als PDF kostenfrei zur Verfügung gestellt. Es gibt sowohl englische als auch deutsche sowie diverse polnische Publikationen. Texte sind teilweise auch in den anderen Originalsprachen der Mitgliedsländer des Netzwerkes abrufbar. Das Recherchetool ermöglicht die gezielte Suche nach einer Sprache sowie nach Autor*innen. Ähnlich funktioniert die Recherche bei den „Articles“. Diese können jedoch noch über die historische Periode (fünf Auswahlmöglichkeiten), den Artikeltyp (akademisch oder nicht-akademisch), das (Erscheinungs-)Land sowie die Autor*in eingegrenzt werden. Die Eingrenzungen können händisch oder über ein Drop-Down-Menü gesetzt werden.

Hinter „CFP & CFA“ verbirgt sich eine Sammlung von Call for Applications und Call for Papers. Hierbei kann eingegrenzt werden, ob es sich um eine Publikation, Konferenz, einen Workshop oder ein Fellowship handeln soll. Es besteht zudem für Organisationen die Möglichkeit, ihre eigenen „CFP & CFA“ zu veröffentlichen.

Fazit

Die Homepage des ENRS bietet sowohl die Möglichkeit, sich über die Arbeit des Netzwerkes ausführlich zu informieren als auch Recherchen für die (eigene) Forschung voranzutreiben. Das umfangreiche Archiv bietet vielfältige Möglichkeiten zu unterschiedlichsten Themen. Der unkomplizierte Zugang mittels Download ermöglicht einen schnellen Zugriff.

 

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