Von Tanja Kleeh

Eine Mischung aus historischem und aktuellem Zugang bietet der Podcast „Wenn deine Liebe nicht sein darf“ von Deutschlandfunk Nova. Der im Februar 2018 veröffentlichte Beitrag nähert sich dem Thema Homosexualität durch drei persönliche Geschichten, die unterschiedliche Schwerpunkte haben. Wie bereits im Titel impliziert vereinen die Protagonist_innen neben ihrer Homosexualität auch Diskriminierungserfahrungen und Ablehnung unterschiedlicher Art und Weise.

Eindrücklich schildert dies etwa Heinz Schmitz, der auf Grundlage des §175 StGB im Alter von 17 Jahren zu einer Bewährungsstrafe verurteilt wurde. Damit galt er – bis zur Revision der auf Grundlage dieses Paragraphen gefällten Urteile im Jahr 2017 – über fünfzig Jahre lang als vorbestraft. „Bieder, spießig, unfrei“ bezeichnet Schmitz die 1950er-Jahre, die Zeit seiner Jugend, im Gespräch mit Deutschlandfunkautor Christian Rex. Schmitz geht eine Beziehung zu einer Frau ein, heiratet und wird Vater zweier Töchter. Nebenbei lebt er seine Homosexualität mit flüchtigen Affären aus. Erst spät spricht er über seine Homosexualität; zuerst im familiären Kreis, dann öffentlich.

Die Geschichte von Schmitz ist nahezu lehrbuchhaft: Nachkriegskind, verschwiegene Homosexualität und heimliches Ausleben dieser, Verurteilung nach §175, spätes öffentliches Coming-Out. Seine Erzählung wirkt authentisch und gewinnt durch den Heinz Schmitz eigenen Witz. Manchmal, etwa wenn es um das Verhältnis zu seinen Kindern und seiner Ex-Frau geht, wird er emotional. Auch das ist ein authentischer Zugewinn.

Nie mit ihrer Familie offen sprechen wird Meilin. Sie ist lesbisch und kommt aus China. Ihre Eltern drängen auf eine Hochzeit. Um ihre Eltern glücklich zu machen, sucht Meilin daher einen Mann – in einer Schwulenbar. So kommt es zum Treffen mit Valentin Wolker. Er ist schwul und kennt das komplizierte Verhältnis zu den eigenen Eltern aus Erfahrung: Nach seinem Coming-Out hoffte die Mutter bis zum Schluss, dass er vielleicht doch noch eine Frau heiraten würde. Valentin ist es auch, der im Gespräch mit Deutschlandfunkautor Pascal Fischer überwiegend die Geschichte der beiden erzählt: Von Meilins Gesuch in der Bar über das erste Treffen mit ihrer Mutter bis hin zur inszenierten Hochzeit in China. Nur zweimal kommt Meilin selbst zu Wort, wenn sie etwa über die rechtliche und gesellschaftliche Situation von homosexuellen Menschen in China berichtet: Es gibt keine Rechte, die sie schützen; erst Recht keine Möglichkeit zu einer offen gelebten Partnerschaft.

Die Geschichte von Meilin ist daher nicht nur aufgrund ihrer besonderen Vorgehensweise interessant, sondern auch und insbesondere, weil sie den Blickpunkt von der rein europäischen Sichtweise auf homosexuelle Menschen weg- und zu Ländern wie China hinbewegt. Bereits im Teaser der Sendung wird diese Thematik angesprochen, wenn die rechtliche Situation außerhalb Deutschlands kurz angerissen wird. Allerdings entsteht hier kurz der Eindruck, in Deutschland sei für homosexuelle Menschen alles in Ordnung und nur in anderen Ländern – beispielhaft genannt werden „einige afrikanische Länder und Teile Asiens“ - gäbe es Probleme. Für die rechtliche Lage, die von den Moderator_innen gemeint ist, stimmt dies auch, allerdings kommt dieser Aspekt beim einmaligen Hören nicht eindeutig heraus.

Einen historischen Schwerpunkt hat die Geschichte von Franz und Andreas. Ihre Liebesgeschichte wird durch die Teilung Deutschlands geprägt. Langwierige Visaanträge, limitierte Besuchszeiten, Treffpunkte in sogenannten Drittländern sowie ein gescheiterter Fluchtversuch begleiten die Anfangszeit ihrer Beziehung. Johannes Nichelmann erzählt diese Geschichte spannend und ordnet die persönlichen Erzählungen in die historischen Gesamtgeschehnisse ein. Immer wieder kommen Andreas und Franz zu Wort, lassen die Zuhörer_innen an ihren ganz persönlichen Erinnerungen und Gefühlen teil haben, etwa den Moment ihrer ersten Begegnung.

Über Diskriminierungserfahrungen oder Ablehnung aufgrund ihrer Sexualität wird hier nicht gesprochen. Für die Zuhörer_innen bleibt die Frage, wie etwa Homosexualität in der DDR im Allgemeinen und in der BRD der 1980er-Jahre gesellschaftlich betrachtet wurde, unbeantwortet. Mit der Beantwortung dieser Fragen hätte der Beitrag sich besser in das Gesamtkonzept der Sendung eingefügt. Dem weitgefassten Titel „Wenn deine Liebe nicht sein darf“ wird der Beitrag zwar gerecht, da jedoch Homosexualität und die Trennung hier in keiner Korrelation zueinander stehen, wirkt er etwas gewollt. Seiner inhaltlichen und fachlichen Qualität tut dies jedoch keinen Abbruch.

Insgesamt ist der Podcast eine gute Möglichkeit, sich mit dem Thema Homosexualität aus unterschiedlichen Blickwinkeln zu befassen. Etwas mehr als eine Stunde werden die Schicksale der Protagonist_innen dargelegt. Dabei profitierten alle drei Beiträge von dem Format des Podcasts.

Der Podcast ist auf der Homepage von Deutschlandfunk Nova abrufbar. Die drei Beiträge sind einzeln abrufbar.

 

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