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There is no return to egypt – Die antizionistische Kampagne und die jüdische Emigration aus Polen 1968

Von Anne Lepper

Als 1968 in Polen Studentenproteste für Unruhen sorgten, fand die politische Führung des Landes einen in diesem Zusammenhang abwegigen, jedoch altbewährten Sündenbock. Die Juden seien Schuld an der Aufruhr im Land, weshalb der kommunistische Parteichef Wladyslaw Gomulka ihnen in einer Rede am 19. März des Jahres unmissverständlich nahelegte, das Land zu verlassen. Sie könnten ja einfach gehen, brüllte er in das Mikrofon, und der Saal tobte. Die dadurch angestoßene antizionsitische Hetzkampagne kostete etwa 20.000 Juden und Jüdinnen ihren Arbeitsplatz und mehrere Tausend von ihnen entschieden sich, eingeschüchtert und resigniert, Polen zu verlassen.

Zielort Israel. Exil oder Heimat?

Ein an der Universität Potsdam angesiedeltes Publikations- und Filmprojekt widmet sich denjenigen, die sich damals zur Emigration entschieden. Der Film von Klemens Czyżydło und Eik Dödtmann zeigt sieben Menschen, die damals unter den Eindrücken der antisemitischen Welle in Polen nach Israel flohen. Auf einfühlsame Weise versuchen die Filmemacher zu ergründen, welche Gefühle und Erinnerungen die Protagonist/innen mit 1968 verbinden. Dabei wird schnell deutlich, dass sich trotz vieler gemeinsamer Erfahrungen das Deutungsmuster der Betroffenen stark unterscheidet. Denn so unterschiedlich wie die individuellen Verarbeitungsprozesse sind auch die sozialen, beruflichen, religiösen und politischen Hintergründe der Interviewten. Die Mitglieder der Migrationskohorte wurden durch die gemeinsame Erfahrung der erzwungenen Emigration zu einer engen Gemeinschaft, in der jedoch jede/r einen sehr individuellen Umgang mit dem Erlebten fand. Während die einen ihrem Heimatland konsequent den Rücken kehrten, fiel es anderen schwer, einen Umgang mit der erfahrenen Erniedrigung und dem Verlust der Heimat zu finden. Dies hatte auch Auswirkung auf das individuelle Identitätsgefühl, die persönliche Positionierung in Bezug auf die israelische Politik und die eigene Religion.

Ein erzwungener Bruch

Bei den Auswandernden von damals handelte es sich vielfach um junge Menschen, die besonders im Fokus der Kampagne standen, da diese sich ja offiziell gegen die Studentenproteste richtete. Kurz nach dem Krieg geboren, erfuhren sie von ihren Eltern tagtäglich, was Trauma und Leid in einem Menschen bewirken. Wie jene, die die Katastrophe der Shoah selbst erlebt und überlebt hatten, stellte die Verfolgung und Ermordung kein weit entferntes, von der Realität abgekoppeltes Ereignis dar. Sie lebten mit der Gewissheit, dass Gleiches jederzeit wieder geschehen könnte.
Doch im Film wird auch deutlich, dass die Nachkriegsgeneration sich – anders als die älteren Protagonist/innen – als „die neuen Juden“ verstanden, die sich nicht länger unterdrücken und verfolgen lassen wollten. Viele von ihnen machten deshalb ihre Emigration zu einer bewussten Entscheidung – für den Staat Israel und gegen einen immerwährenden Opferstatus.

Fazit

Der Film zeigt sehr intime Einblicke in die Gefühls- und Alltagswelt der Protagonist/innen. Viele der Gespräche finden nebenbei statt, beim Schabbatessen, einem Treffen von Mitgliedern der Migrationskohorte, einem Museumsbuch oder auf der Straße. Die Interviewten reden mitunter sehr offen und vertrauensvoll über das, was sie erlebt haben und ihre damit verbundenen Gedanken. Gerade diese Offenheit macht den Film zu einer gelungenen und bewegenden Dokumentation der Ereignisse von 1968.
Der Film kann auf dem Server der Universität Potsdam kostenlos mit deutschen oder englischen Untertiteln heruntergeladen werden. Dort finden sich auch weitere Informationen zu einem angeschlossenen Publikationsprojekt.

 

 

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