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Die "Aussiedlung" der Bewohner von Skierbieszów

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Ort/Bundesland: Zamość (Region) / Zamojszczyzna
Schule: Allgemeinbildende Oberschule
Lehrer: Mirosław Celiński
Autor: Marcin Bartoń
Altersgruppe: 16 Jahre und älter
Land: Polen
Fach: Fächerübergreifende Arbeitsgemeinschaft, Geschichte

Bibliografie

  • Hryniewiecki, Witold: My z Zamojszczyzny... [Wir aus der Region Zamość], Warschau: 1988
  • Jóźwiakowski, Jerzy: Armia Krajowa na Zamojszczyźnie [Die Landesarmee in der Region Zamość], Bd. 1-2, LublinA city in eastern Poland, also the alternate name for the Majdanek concentration and labor camp.: 2001
  • Klukowski, Zygmunt: Dziennik z lat okupacji Zamojszczyzny 1939–1944 [Tagebuch aus der Besatzungszeit in der Region Zamość], Lublin: 1958
  • Kubica, Helena: Zagłada w KL AuschwitzA complex of concentration, labor and extermination camps located approximately 40 miles west of Cracow in Upper Silesia (Poland). Established in 1940 as a concentration camp, it became a killing center in 1942. Auschwitz I was the central camp. Auschwitz II, also known as Birkenau, was the killing center. Auschwitz III, or Monowitz, was the IG Farben labor camps, also known as BUNA. In addition, there were numerous subsidiary camps. Auschwitz was liberated by the Soviet Army on January 27, 1945. Polaków wysiedlonych z Zamojszczyzny w latach 1942–1943 [Die Vernichtung der aus der Region Zamość ausgesiedelten Polen im KL Auschwitz In den Jahren 1942-1943], Oświęcim-Warschau: 2004
  • Madajczyk, Czeslaw: Zamojszczyzna — Sonderlaboratorium SS. Zbiór dokumentów polskich i niemieckich z okresu okupacji hitlerowskiej, Bd. 1-2, Warschau: 1979
  • Jonigkeit, Elke / Kaminski, Hartmut: Die Kinder von Himmlerstadt. Mehrfach ausgezeichneter Dokumentarfilm, 30 min. BRD: 1983. Der Film versucht, den Ereignissen von 1942/43 nachzugehen, als die deutschen Besetzer planten, Zamosc und die umliegenden 300 Dörfer nach Aussiedlung, 'Pazifikationen' und Vernichtungsaktionen zu 'germanisieren', um den eroberten Ostraum zu sichern. Augenzeugen, die diese mörderische Aktion als Kinder miterlebten, berichten von den verschiedenen Stationen ihres Leidensweges: der Aussiedlung, dem Auffanglager Zamosc, den Zugtransporten kreuz und quer durch Polen. Der Film zeigt jedoch auch Beispiele des Widerstandswillens und der menschlichen Liebe der Bevölkerung. Eine Frau berichtet von einer Kinderrettungsaktion und der mächtigen Demonstration bei der Beerdigung der erfrorenen und verhungerten Kinder. Herr Zamoyski erzählt von einem einfachen Bauern, der sich trotz Lebensgefahr nicht abschrecken ließ, den Kindern im Lager Nahrung zu bringen. Diese Augenzeugenberichte werden ergänzt durch weitgehend unbekanntes dokumentarisches Film- und Fotomaterial aus polnischen Archiven. Der Film will kein lückenloses Gesamtbild rekonstruieren, vielmehr tastet er sich facettenartig an dieses unmenschliche Geschehen heran.

Projekt Kontakt

Mirosław Celiński
III LO
ul. Kilińskiego 15
Polen 22-400 Zamość

An dem von der Stefan Bathory-Stiftung und dem Zentrum Karta 1998 veranstalteten Geschichtswettbewerb „Das wichtigste Ereignis in der Geschichte meiner Heimatstadt - Zeugen und Zeugnisse“ beteiligte sich 1999 in seinem Abiturjahr Marcin Bartoń, Sohn des Bürgermeisters von Skierbieszów, mit diesem Projekt. Er rekonstruierte auf der Basis von Zeitzeugenberichten die Ortsgeschichte und Ereignisse im November 1942, als die Deutschen die Bewohner seines Geburtsortes Skierbieszów "aussiedelten".

Projektidee und Motivation des Autors

Die Wahl seines Themas begründete Marcin Bartoń folgendermaßen: „Die Geschichte einer Ortschaft wird bestimmt durch die Schicksale ihrer Einwohner, und das, was ich beschrieben habe, d.h. Krieg und Aussiedlung, berührten jeden der damaligen Einwohner meines Heimatortes in einem solchen Ausmaß, dass in Zukunft, selbst in ferner Zukunft die Ereignisse vom November 1942 zweifellos die wichtigste Episode in der gesamten Geschichte von Skierbieszów sein werden.“ Die Bevölkerung von Skierbieszów hat alles durchgemacht, was die Planer erdacht hatten, um die Region Zamość zu kolonisieren und zu germanisieren. Hier war ein „Bollwerk“ vorgesehen, das Deutschlands weiterer Expansion nach Osten dienen sollte. In ihren Erinnerungen kehrt die Familie von Marcin Bartoń, immer wieder zu diesen tragischen Erlebnissen zurück. Er selbst schreibt: „Ich bin 17 Jahre. Mein Heimatort ist Skierbieszów. Das wichtigste Ereignis für seine Einwohner ist die Pazifizierung, deren Folgen tragisch waren. Es gibt in Skierbieszów keine Familie, die infolge der grausamen Handlungen des Okkupanten nicht eine(n) Angehörige(n) verloren hätte. In meiner Familie, die mehrere Generationen zählt, waren die Partisanengeschichte, die mein Großvater erzählte, und die traurigen Geschichten meiner Großmutter, die als Kind „hinter Stacheldraht“ in Zamość gewesen war, häufige Themen. Und diesen tragischen Abschnitt der reichen Geschichte von Skierbieszów möchte ich beschreiben.“

Historische Einführung: Der Plan für die Region Zamość

Am 22. Juni 1941 begann das Unternehmen Barbarossa, Deutschland überfiel die Sowjetunion, ihren bisherigen Verbündeten. Damit erhielt das GeneralgouvernementThe German name for the administrative unit comprising those parts of occupied Poland that were not incorporated into the Reich. It initially included four districts: Cracow, Lublin, Radom, and Warsaw, containing 12 million inhabitants. After the invasion of the Soviet Union on June 22, 1941, the fifth district, Lviv [Lemberg], was added as the district of Galicia. The Generalgouvernement comprised of an area of 94,000 km2 with about 12 million inhabitants (about 10 million Poles, 1.5 million Jews, 650,000 Germans and more than 500,000 Ukrainians and Byelorussians). Its capital was Krakow which was also the seat of General Governor Dr. Hans Frank. The official languages were German and Polish. Nazi plans included the elimination of the Polish school and education system except for primary schools, and the theft and destruction of Polish cultural goods. The Polish population was exposed to hunger, deportation to Germany as forced labourers, expulsion, public executions and the »pacification« of villages. The Jewish population was interned in ghettos from 1942 to 1944 and almost completely exterminated by the end of 1943. (GG) als wichtiger strategischer Punkt eine neue Dimension. Mitte Juli 1941 erschien auf Einladung des blutigen SS- und Polizeiführers Odilo Globocnik1904-1945. Born in Trieste, building tradesman by profession, joined the National Socialist Party (NSDAP) in Carinthia in 1922, appointed deputy Gauleiter [leader of a regional or local branch of the Nazi party] of Carinthia in 1933, Gauleiter of Vienna from May 1938 to January 1939, from November 1939 SS and police leader in the Lublin district, from the middle of 1942 head of the NSDAP in the Lublin district, responsible for the extermination of the Jews in the Generalgouvernement (so-called Operation Reinhardt), the plan to set up a German settlement area in the Lublin district was developed and implemented by him. Promoted to the post of higher SS and police leader in July 1943. Suicide after his arrest by the Britons. der Führer der SS und Chef der Reichspolizei Heinrich HimmlerEarly Nazi activist, participated in 1923 Beer Hall Putsch, acting propaganda leader of the Nazi party during 1920s, joined SS, 1926, appointed Reich Leader SS (RFSS), 1929, member of the Reichstag, 1930, chief of the Munich police and the Bavarian political police, 1933, consolidated police forces of all Länder under his command, 1933-1934, Reich Leader SS and Chief of the German Police in the Reich Ministry of the Interior, 1936, Reich Commissar for the Strengthening of German Ethnicity, 1939, Reich Minister of the Interior, 1943, committed suicide after arrest by British troops, May 1945. in der Region LublinA city in eastern Poland, also the alternate name for the Majdanek concentration and labor camp.. Er besichtigte Lublin, Zamość und Umgebung und hörte sich an, was man ihm über die Traditionen der dortigen deutschen Kolonien berichtete. Während Himmler Friedhöfe und andere Spuren der deutschen Anwesenheit besichtigte, entfaltete Globocnik vor ihm die Vision einer vollständigen Germanisierung der Region und ihrer Möglichkeiten als Ausfallstors nach Osten (Zamosc wurde 1942-43 „Himmlerstadt“, die zur Kolonisierung vorgesehene Region „HimmlerlandThe term "Himmlerland" found its way into Polish. It was the title of episode no. 10 of the TV series "Polskie Drogi", produced in the 1970ies/1980ies. This episode deals with the expulsion and resettlement operations described here, Polish resistance against it and in particular with the fate of the Jewish foster daughter of one of the two Polish heroes of the series. The girl, having been brought to a catholic sisters' convent in the remote Zamo&#347,&#263, Region for safety reasons, is abducted and taken to Germany for adoption together with other girls from the hostel. Zamo&#347,&#263, was renamed "Himmlerstadt" in 1942/43, then called "Pflugstadt" until July 1944.“ genannt).

Himmler, der durch diese großen Pläne geblendet war, ernannte, ohne mit der Verwaltung des GG Verbindung aufzunehmen, Globocnik zu seinem Bevollmächtigten. Er ordnete auch an, dort ein KZKonzentrationslager (NS- Abkürzung: KL), nach 1933 eingerichtet zur Ausschaltung politischer Gegner, zur Einschüchterung der Bevölkerung und zur Isolierung und Vernichtung unerwünschter sozialer, ethnischer und religiöser Minderheiten sowie Kriegsgefangener. Der SS unterstellt, waren die Lager der ordentlichen Rechtsprechung entzogen. Der Tod von Millionen Menschen durch unzureichende Ernährung und Unterbringung, durch Zwangsarbeit, Krankheiten und Misshandlungen war beabsichtigt. Bis 1945 gab es im NS-Machtbereich tausende Lager, Nebenlager und Außenkommandos. für 25-50.000 Häftlinge zu errichten, die Arbeiten aufzunehmen, um ein großes Ansiedlungsgebiet für Deutsche zu schaffen, Einwohner deutscher Abstammung zu suchen und für sie Schulen und Werkstätten einzurichten. Nach Vorbereitungen wurde 1942 mit der Ausführung des Plans begonnen. Als erste Umsiedlungsgebiete bestimmte Himmler die Kreise Zamość und Lublin. Es wurde vereinbart, Einzelheiten der Aktion bis Ende September auszuarbeiten und dass der beste Moment für ihren Beginn Mitte November sei.

Den ganzen August und September über arbeitete Globocniks Stab an einem detaillierten Aussiedlungsplan. Dieser sah vor, alle in diesem Gebiet lebenden Polen zu entfernen und setzte die Einteilung der Bevölkerung in vier Hauptkategorien voraus:

Kategorie I und II sollten Personen umfassen, die nordische Merkmale aufwiesen und zur Germanisierung vorgesehen waren. Sie waren auszusondern und nach LodzAlso known as "Lodz." City in incorporated western Poland where the first major ghetto was created in April 1940. By September 1941, the ghetto's population faced severe overcrowding. In October 1941, 20,000 Jews from Germany, Austria, and the Protectorate of Bohemia and Moravia were deported to the Lodz ghetto. A separate section of the ghetto was set up for approximately 5,000 Austrian Roma and Sinti. During 1942 and June-July 1944, there were massive deportations from Lodz to the killing center in Chelmno. In August-September 1944, the ghetto was dissolved and the remaining 60,000 Jews were sent to Auschwitz. zu bringen, wo sie endgültig auf ihre „Rassenmerkmale“ untersucht werden sollten.

Kategorie III war für arbeitsfähige Personen vorgesehen, die zur ZwangsarbeitPrisoners from concentration camps and workers conscripted in occupied Poland and the Soviet Union were compelled to work, on starvation rations, in agriculture, highway building and factories for the German state during World War II. Labor was also viewed as a form of killing by attrition. Forced labor was introduced for Sinti and Roma inside Nazi Germany in 1936, and after 1938 it was extended to German Jews and other concentration camp prisoners. Information from the Nuremberg trials estimated that there were 12 million forced laborers. ins Reich geschickt werden sollten; arbeitsunfähige Personen (d.h. Kinder unter 14 Jahren und Personen über 60 Jahre) plante man, in „Rentendörfern” unterzubringen. Ein Teil der Kinder sollte später ebenfalls germanisiert werden. Die Gruppe der Kategorie IV umfasste Personen, die in KonzentrationslagerAbbreviated as KZ. Prison in which political and religious dissidents, ethnic and racial opponents were involuntarily held. Before the end of World War II, the Germans set up several thousand such camps., hauptsächlich nach AuschwitzA complex of concentration, labor and extermination camps located approximately 40 miles west of Cracow in Upper Silesia (Poland). Established in 1940 as a concentration camp, it became a killing center in 1942. Auschwitz I was the central camp. Auschwitz II, also known as Birkenau, was the killing center. Auschwitz III, or Monowitz, was the IG Farben labor camps, also known as BUNA. In addition, there were numerous subsidiary camps. Auschwitz was liberated by the Soviet Army on January 27, 1945. verbracht werden sollten (Arbeitsunfähige, Kranke und Behinderte oder rassisch „Wertlose”).

Am 22. November 1942 erließ Globocnik eine ins Einzelne gehende Verordnung bezüglich der Ansiedlung im Kreis Zamość. Kurz vor Beginn der Aktion wurde auf seinen Befehl eine 500 Mann starke „Abteilung zur besonderen Verwendung” aufgestellt, die aus dem 25. Polizeiregiment in Lublin ausgesucht worden war.

Bereits im November 1942, gegen Ende der Aussiedlungsvorbereitungen übernahm die Umsiedlungszentrale – Abteilung Zamość das ehemalige Kriegsgefangenenlager in der ulica Lubelska in Zamość für ihren Bedarf.

Die Aussiedlung begann um 01.00 Uhr in der Nacht vom 27. auf den 28. November 1942. An diesem ersten Tag wurden die Dörfer Skierbieszów, Zawoda, Lipina Nowa und Sady ausgesiedelt, am zweiten Tag drei Ortschaften in nächster Nähe.

Projektbericht

Der Verfasser trug Berichte von vier Einwohnerinnen aus Skierbieszów zusammen, die als Kinder die Aussiedlung erlebt hatten. Sie erzählten darin, wie die Aktion selbst aussah, nach der im Dorf nur diejenigen zurück blieben, die als billige Arbeitskräfte vorgesehen waren, und auch diejenigen, die die VolkslisteThe "Deutsche Volksliste" (full title) was introduced in 1941 following decrees by the Minister of the Interior of the Reich, Wilhelm Frick, and Heinrich Himmler in his function as Kommissar für die Festigung des deutschen Volkstums [Commissioner for the strengthening of Germanhood]. It divided the population of the occupied territories into four categories. Category I: Persons of German descent who had engaged themselves in favour of the Reich before 1939. Category II: Persons of German descent who had remained passive. Category III: Persons of German descent who had become partly "polonized", e.g. through marrying a Polish partner or through working relationships (especially Silesians and Kashubians). Category IV: Persons of German ancestry who had become "polonized" and were supportive of »Germanisation«. Persons who had been assigned to one of these categories but were denying their ties to Germany were dealt with very harshly. Persons of categories III and IV were sent to Germany as labourers and recruited for the German army. unterschrieben hatten. Sie beschrieben den Grauen erregenden Aufenthalt im Übergangslager in Zamość, wo die Menschen nach vorheriger Selektion auf verschiedene Baracken verteilt wurden (siehe pdf-Dokument Nr. 1: Bericht von Maria Szewera und pdf-Dokument Nr. 2: Bericht von Wanda Bartoń).

Danach fanden die nächsten Selektionen statt, die über das weitere Schicksal entschieden und häufig mit der Trennung der Familie endeten. Die einen Mitglieder wurden umgesiedelt, wie Wanda Bartoń, die zusammen mit ihrer Mutter und einem ihrer Brüder in ein Dorf bei Garwolin kam, oder Maria Szewera, die sich in Żelechów wiederfand; die anderen wurden zur Zwangsarbeit ins Reich deportiert, wie Helena Cwener, die zusammen mit ihren Eltern nach Berlin in eine Munitionsfabrik kam (siehe pdf-Dokument Nr. 3).

Doch am tragischsten war das Schicksal derer, die nach Auschwitz verschleppt wurden, wo auf sie zumeist der Tod wartete (siehe Dokument Nr. 4: Bericht von Emilia Kostruba). Nach deutschen Angaben wurden über 2.000 Personen aus der Region Zamość nach Auschwitz verbracht, davon 768 im Dezember 1942. Wie polnische Zeugen berichteten, waren in diesem Transport 48 Jungen, von denen 39 am 23. Februar 1943 durch eine Fenolinjektion ins Herz ermordet wurden.

Die Aussiedlungen hielten bis Juni 1943 an. Weitere Aussiedlungsaktionen im Kreis Zamość wurden den Deutschen durch eine immer stärker werdende Partisanenbewegung unmöglich gemacht. Partisanen griffen die deutschen Einheiten an, wenn diese Dörfer aussiedeln wollten, setzten die Siedlungen deutscher Kolonisten in Brand und störten oder verhinderten den Eisenbahnverkehr. In den 17 Monaten, die der Zamość-Aufstand dauerte – vom 31. Dezember 1943 bis zur vollständigen Vertreibung der Deutschen – , fanden ungefähr 850 Kämpfe und Gefechte statt.

Doch die Folgen für die Region Zamość waren verheerend genug. Insgesamt wurden 290 Dörfer ausgesiedelt oder pazifiziert. 120.000 Menschen wurden ausgesiedelt; darunter waren etwa 30.000 Kinder, von denen etwa 13.000 starben und 4.500 zur Germanisierung nach Deutschland verschleppt wurden.

Unter den vielen Berichten, die der Verfasser sammelte, fehlen lediglich die Zeugnisse derer, die, auch wenn sie vielleicht überlebten, nicht zurückkehren konnten. Tausende von Kindern im Alter von mehreren Monaten bis zu mehreren Jahren waren zur Germanisierung vorgesehen und wurden ihren Familien mit Gewalt fortgenommen. Ihr Aufenthaltsort in Deutschland wurde geheim gehalten, in den Papieren wurden sämtliche Spuren ihrer Herkunft verwischt. Selbst wenn es gelang, „geraubte Kinder“ vor der endgültigen Verschleppung zu bewahren – einen Teil von ihnen stahl oder „kaufte“ die polnische Bevölkerung entlang der Strecke, die diese Geisterzüge fuhren –, so erlangten doch viele von ihnen niemals ihre Identität zurück.