Referral teaching resources

Feindliche Jugend?

DDR
Christoph Hamann, Axel Janowitz im Auftrag des Bundesbeauftragten für die Unterlagen des Staatssicherheitsdienstes der ehemaligen DDR und des Berliner Landesinstituts für Schulen und Medien (Hg.): Feindliche Jugend? - Verfolgung und Disziplinierung Jugendlicher durch das Ministerium für Staatssicherheit. Unterrichtseinheiten zu ausgewählten Fällen.  (2006) Berlin

Mit "feindliche Jugend", um die es in diesen Materialien für den Unterricht geht, sind junge Menschen gemeint, die in der SED-Diktatur demokratische Rechte einforderten, sich kirchlich engagierten, um Rockmusikfans und solche, die sich in ihrem Alltagsverhalten nicht dem Diktat der Einordnung in die DDR-Staatsjugend beugen wollten.

Heutige Jugendliche haben alle Freiheiten, sich global im Internet zu informieren, offen ihre Meinungen zu vertreten, sich in Nicht-Regierungsinitiativen für ihre Ideale zu engagieren. Alle diese Aktivitäten hätten in der DDR als "feindlich-negativ" und "dekadent" gegolten. Feind war, wer anders dachte und lebte. Er wurde wegen "politischer Untergrundtätigkeit" vom Ministeriums für Staatssicherheit überwacht und mit Repressionen bis hin zur Inhaftierung verfolgt worden.

  • Wie wurde ein Lehrling durch die StasiDie Abkürzung Stasi steht für Ministerium für Staatssicherheit. Das Ministerium für Staatssicherheit der DDR war der Inlands- und Auslandsgeheimdienst der DDR und zugleich Ermittlungsbehörde (Untersuchungsorgan) für „politische Straftaten“. Zudem  war das Ministerium vor allem ein Unterdrückungs- und Überwachungsinstrument der Sozialistischen Einheitspartei Deutschland (SED) gegenüber der DDR-Bevölkerung, das dem Machterhalt diente. Dabei setzte es als Mittel Überwachung, Einschüchterung, Terror und die so genannte Zersetzung gegen Oppositionelle und Regimekritiker ein. zu einem "Staatsfeind" der DDR stilisiert?
  • Warum wurde ein junger Mensch wegen seiner christlichen Überzeugung gezwungen, die DDR sein, Freunde und Familie zu verlassen?
  • Was ließ junge Leute, die "westlich-dekadente" Musik hörten, so gefährlich erscheinen, dass mit perfiden Zersetzungsmaßnahmen gegen sie vorgegangen wurde.
  • Warum wurden Fans der Rolling Stones kriminalisiert?

An exemplarischen Beispielen wie diesen können mit diesen Materialien die Methoden politischer Repression durch die Staatssicherheit sowie die Auswirklungen für die Betroffenen analysiert und diskutiert werden.

Die Handreichungen zeigen beispielhaft, wie schmal der Grat zwischen gewünschtem Verhalten und Staatsfeindlichkeit im Sinne das SED Staates waren, vor allem, dass es keine geschützte Privatsphäre gab. Es gab sie auch nicht in den angeblichen Nischen der DDR Gesellschaft, wie der Film "Das Leben der anderen" unter anderem eindrücklich vermittelt.

Diese Materialien sind hervorragend geeignet für einen unterrichtlichen Vergleich mit Jugendlichen unter dem NS-Regime, die für die Nationalsozialisten als Unangepasste nicht in die gleichgeschalteten NS Volksgemeinschaff gehörten, als "asozial" und "kriminell" diskriminiert und als "Gemeinschaftsfremde" in so genannten polizeilichen "Jugendschutzlagern" – MoringenLocated between Göttingen and Hanover, Moringen was the first central concentration camp for women from October 1933 to March 1938. It became a concentration camp for juveniles from August 1940 to April 6, 1945, holding nearly 1,600 male juvenile prisoners aged 12-22 and sometimes younger. These children were arrested for: refusal to serve in the Hitler Youth, sabotage or refusal to work, criminality, membership in the Swing youth movement, homosexuality or prostitution, and political resistance (especially young partisans from the Slovenian-Austrian border region). und Uckermark - inhaftiert und misshandelt wurden.

Hierfür sei u.a. auf die sehr eindrücklichen Materialien des Ausstellungskatalogs "Wir hatten noch gar nicht angefangen zu leben" über die Jugendkonzentrationslager Moringen und Uckermark verwiesen. In beiden deutschen Nachkriegsstaaten wurde der Umgang mit den Opfern der NS-Jugendpolitik lange verdrängt und verharmlost, weshalb der Umgang mit Jugendlichen, die aus unterschiedlichen Gründen ins Visier staatlicher Beobachtung oder Fürsorgeerziehung gerieten, in beiden deutschen Staaten Kontinuitäten aufweist.

Jugendliche von heute können an dieser ihnen naheliegenden Thematik exemplarisch erkennen, wie Diktaturen funktionieren. Die Auseinandersetzung mit Unrecht und der Missachtung von Menschen- und insbesondere Kinderrechten kann sie motivieren, Zivilcourage zu leben und sich aktiv für die Werte der Demokratie einzusetzen, wo immer sie missachtet werden.

Bezug

GZ [dot] BF3 [at] bstu [dot] bund [dot] de
Fon: (030) 23 24-89 37 oder (030) 23 24-88 31
Fax: (030) 23 24-88 31
Post:BStU, BF3 / Sachgebiet Politische Bildung
Karl-Liebknecht-Straße 31/33, 10178 Berlin