Magazin vom 23. November 2016 (09/16)

Extreme Rechte und präventive Bildungsarbeit

Liebe Leserinnen und Leser,

wir begrüßen Sie zum aktuellen LaG-Magazin. Diese Ausgabe zur extremen Rechten und Möglichkeiten der Bildungsarbeit widmet sich einem aktuellen und beunruhigenden Thema. Wir bedanken uns bei der Brandenburgische Landeszentrale für politische Bildung für die Förderung dieses Magazins.

Findet derzeit ein gesellschaftlicher Rechtsruck oder eine verstärkte Polarisierung statt?

Die Einschätzungen darüber, was derzeit in Deutschland und in anderen Demokratien geschieht, gehen auseinander. Sicher ist, dass in der Bundesrepublik die Anzahl rechter Aufmärsche und Gewalttaten gestiegen ist. Viele Täter_innen, die Anschläge verüben, waren bisher juristisch unbescholten. Wie aber das Beispiel festgenommener Mitglieder der „Old School Society“ zeigt, sind auch Neonazis organisiert, zu Anschlägen bereit und entsprechend vernetzt. Da ist es unverständlich, dass von rechtem Terrorismus nicht gesprochen wird; man fühlt sich an den Umgang mit dem „Nationalsozialistischen Untergrund“ erinnert. In diesem Zusammenhang wurden nicht nur Akten durch Geheimdienste vernichtet, sondern auch V-Leute an wichtige Stellen der neonazistischen Szene gebracht, die auch in Straftaten verwickelt waren. Die von Bundekanzlerin Merkel angekündigte umfassende Aufklärung des NSU-Terrors findet bis heute nicht statt. Im Gegenteil: Nach wie vor wird der NSU-Komplex auf die drei Personen des sogenannten Kerntrios reduziert.

Politische Bildung, aber auch historische Bildung ist in diesen Zeiten sicherlich wichtig und ein wesentlicher Bestandteil von Aufklärung. Sie findet allerdings dort ihre Grenzen, wo staatliches und gesellschaftliches Handeln die Problematik der extremen Rechten sowie von (institutionellem) Rassismus und anderen ideologischen Ausprägungen nur halbherzig benennt oder bekämpft. Gleichzeitig müssen wir davon ausgehen, dass nur ein Bruchteil derer, die für die unterschiedlichen Gida-Bewegungen auf die Straße gegangen sind und heute die AfD wählen, für Angebote der politischen Bildung erreichbar sind, wie für die herkömmlichen Medien, die als „Lügenpresse“ denunziert werden. Es muss wohl festgestellt werden, dass sich eine rechte Zivilgesellschaft etabliert hat, die die Grundlagen dieser Gesellschaft in Frage stellt.

Das LaG-Magazin kann die Gesamtproblematik nur streifen. Wir möchten Sie aber mit der Ausgabe ermuntern, sich intensiver mit den Spektren und Ideologien der extremen Rechten zu befassen und sich gegen diese vehemente Bedrohung zu engagieren. Letztlich ist die Bekämpfung der extremen Rechten sowie der flüchtlingsfeindlichen und antidemokratischen Proteste unser aller Angelegenheit.

Am Montag, den 21. November ist eine neue Ausgabe der Mitte-Studien erschienen. Wegen der Kurzfristigkeit konnte sie keinen EIngang in dieses Magazin finden. Interessierte können die Studie mit dem Titel "Die gespaltene Mitte - Feindselige Zustände" nachlesen.

Einführend schreibt Robert Andreasch über die Entwicklung der extremen Rechten seit dem ersten Aufmarsch von Pegida und setzt sich mit Strategien und Akteuren der Rechten auseinander. Am Ende seines Essays wagt der Autor einen kurzen Ausblick in eine unsichere Zukunft, was die weitere Entwicklung dieses Milieus anbelangt.

Jonas Frykmann und Christoph Schulze richten ihren Blick auf die regionale Entwicklung in Brandenburg. Sie weisen darauf hin, dass in jenen Landkreisen, in denen besonders viele flüchtlingsfeindliche Proteste stattgefunden haben, die Anzahl an Gewalttaten ebenfalls gestiegen ist.

Arila Feurich und Mario Förster zeigen Perspektiven von demokratiepädagogischer Bildungsarbeit in Schulen auf. In ihrem Beitrag stellen sie das Programm „Demokratisch Handeln“ und dessen Möglichkeiten am Beispiel einer westfälischen Realschule vor.

Antirassismus und eine nicht-rassistische Bildungsarbeit sind ein Kernstück von pädagogischem Handeln gegen rechts. Doch nicht alle theoretischen Ansätze bieten hierfür ein geeignetes Rüstzeug. Rüdiger José Hamm setzt sich mit den Problematiken von „Kritischem Weißsein“ in der Bildungsarbeit auseinander.

Juliette Brungs hat für uns die vielbeachtete Studie „Die enthemmte Mitte. Autoritäre und rechtsextreme Einstellung in Deutschland“ besprochen.

Wir danken allen Autor_innen für die uns zur Verfügung gestellten Beiträge.

Das nächste LaG-Magazin erscheint bereits am 14. Dezember. Es wird sich mit „Regionalgeschichte“ befassen.

Wir wünschen Ihnen eine angenehme Lektüre.

Ihre LaG-Redaktion

Beiträge

Zur Diskussion

Robert Andreasch nimmt die Entwicklung der extremen Rechten seit dem ersten Aufmarsch von Pegida in den Blick. Er setzt sich mit Strategien und Akteuren der Rechten auseinander. 

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Zur Diskussion

Jonas Frykmann und Christoph Schulze befassen sich mit der regionalen Entwicklung flüchtlingsfeindlicher Proteste in Brandenburg. 

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Arila Feurich und Mario Förster zeigen Perspektiven von demokratiepädagogischer Bildungsarbeit in Schulen am Beispiel des Förderprogramms "Demokratisch Handeln" auf.

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Antirassismus und eine nicht-rassistische Bildungsarbeit sind ein Kernstück von pädagogischem Handeln gegen rechts. Doch nicht alle theoretischen Ansätze bieten hierfür ein geeignetes Rüstzeug. Rüdiger José Hamm setzt sich mit den Problematiken von „Kritischem Weißsein“ in der Bildungsarbeit auseinander.

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Die in diesem Sommer vorgestellte Studie der Universität Leipzig, der Heinrich Böll Stiftung (Grünen-nah), der Otto Brenner Stiftung (Gewerkschafts-nah) und der Rosa-Luxemburg-Stiftung (Linke-nah) ist in mehrfacher Hinsicht stark kritisiert worden. Zu Unrecht. Ein Resümee von Juliette Brungs.

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