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Deutsche und Juden nach 1945

Familiengeschichte, Holocaust und Neubeginn

Gottfried Wagner, Abraham J. Peck: Unsere Stunde Null - Deutsche und Juden nach 1945. Familiengeschichte, Holocaust und Neubeginn. Historische Memoiren. (2006) Böhlau Wien, 428 S., 24,90 €

Bei Wagner und Bayreuth mit dem Festspielhaus auf dem Grünen Hügel, der Villa Wahnfried, muss auch das KZKonzentrationslager (NS- Abkürzung: KL), nach 1933 eingerichtet zur Ausschaltung politischer Gegner, zur Einschüchterung der Bevölkerung und zur Isolierung und Vernichtung unerwünschter sozialer, ethnischer und religiöser Minderheiten sowie Kriegsgefangener. Der SS unterstellt, waren die Lager der ordentlichen Rechtsprechung entzogen. Der Tod von Millionen Menschen durch unzureichende Ernährung und Unterbringung, durch Zwangsarbeit, Krankheiten und Misshandlungen war beabsichtigt. Bis 1945 gab es im NS-Machtbereich tausende Lager, Nebenlager und Außenkommandos.-Außenlager dieser Stadt, Flossenbürg, mitgedacht werden. Insbesondere diejenigen Kulturbeflissenen, die alljährlich auf den Festspielhügel pilgern, sollten sich dessen bewusst sein, dass Wagners Musik nicht von der antisemitischen Weltanschauung des Komponisten und den politischen Folgen im 20 Jahrhundert zu trennen ist, ebenso wie für die Deutschen in Sichtweite von Weimar und seiner Tradition der Klassik Schillers und Goethes auch der Ettersberg mit dem KZ BuchenwaldA concentration camp opened in 1937 on the Ettersberg hillside overlooking Weimar, Germany. The first German and Austrian Jewish prisoners arrived in 1938, German and Austrian Gypsy prisoners were deported there after July 1938. During the war, nearly 65,000 of Buchenwald's 250,000 prisoners perished, others died in its more than 130 satellite labor camps. Buchenwald was one of the few major camps where prisoners rebelled in the days preceding liberation by units of the U.S. Army on April 11, 1945. steht.

Unterschiedlicher nach Herkunft und lebensgeschichtlicher Prägung könnten die beiden Autoren kaum sein. Die Familienkonstellation ist einzigartig. Da ist Abraham Peck, der Sohn eines Vaters, der nach einem Leidensweg durch zahlreiche NS-Lager zum Skelett abgemagert und dem Tode nahe von sowjetischen Soldaten in TheresienstadtThe German name for the Czech town of Terezin, located about 40 miles from Prague. In mid-October 1941, Theresienstadt was converted into a ghetto for Jewish deportees en route to killing centers in the East. More than 140,000 European Jews (73,000 from Bohemia and Moravia, 42,000 from Germany, 16,000 from Austria, 5,000 from the Netherlands, and a small number from Denmark) were imprisoned in Theresienstadt. Approximately 35,000 Jews died in the ghetto and 88,000 were redeported to the East. Barely 2,000 of the 15,000 children survived. The Soviet Army liberated Theresienstadt on May 8, 1945. befreit wurde, und einer Mutter, die nach GhettoThe Nazis revived the medieval term 'ghetto' to describe their compulsory "Jewish quarters". Ghettos were poor sections of a city where all Jews from the city and surrounding areas were forced to reside. Surrounded by barbed wire or walls, the ghettos were sealed and no one could leave. Established mostly in German-occupied Eastern Europe (for example, Lodz, Warsaw, Vilna, Riga, Minsk), the ghettos were characterized by overcrowding, starvation and heavy labor. All ghettos were eventually dissolved, and the Jews and Gypsies that had resided there were deported and murdered., AuschwitzA complex of concentration, labor and extermination camps located approximately 40 miles west of Cracow in Upper Silesia (Poland). Established in 1940 as a concentration camp, it became a killing center in 1942. Auschwitz I was the central camp. Auschwitz II, also known as Birkenau, was the killing center. Auschwitz III, or Monowitz, was the IG Farben labor camps, also known as BUNA. In addition, there were numerous subsidiary camps. Auschwitz was liberated by the Soviet Army on January 27, 1945. und dem KZ-Flossenbürg von US-Truppen in Böhmen befreit wurde. Beide überlebte als einzige Mitglieder zweier großer Familien den NS-Völkermord an den Juden.

Und da ist der Urenkel Richard Wagners, Sohn Wolfgang Wagners, des noch immer herrschenden Potentaten der Bayreuther Festspiele, hineingeboren in eine der berühmtesten und politischsten Familien Deutschlands, die tief verstrickt war in Hitlers Ideologie und Verbrechen und sich der Verantwortung dafür bis heute nicht stellt und sie obendrein durch philosemitische Anbiederung vernebelt.

In Landsberg am Lech, einer Nazi-Hochburg wie Bayreuth, berühren sich die Biografien beider Autoren. Abraham Peck wurde in dieser Stadt im Mai 1946 geboren. Seine Eltern hatten 1943 im Ghetto von LodzAlso known as "Lodz." City in incorporated western Poland where the first major ghetto was created in April 1940. By September 1941, the ghetto's population faced severe overcrowding. In October 1941, 20,000 Jews from Germany, Austria, and the Protectorate of Bohemia and Moravia were deported to the Lodz ghetto. A separate section of the ghetto was set up for approximately 5,000 Austrian Roma and Sinti. During 1942 and June-July 1944, there were massive deportations from Lodz to the killing center in Chelmno. In August-September 1944, the ghetto was dissolved and the remaining 60,000 Jews were sent to Auschwitz. geheiratet und wurden kurz darauf getrennt. 1945 fanden sie sich wieder und lebten vor ihrer Auswanderung in die USA noch fünf Jahre in einem Lager für „Displaced Persons“ in Landsberg, der Stadt in der Hitler nach dem missglückten Putsch vom 9. November 1923 inhaftiert war und sein Buch „Mein Kampf“ verfasste.

Gottfried Wagners Großmutter Winifred hatte Hitler damals in Landsberg das Papier für die Niederschrift geliefert. 1937-1945 war Landsberg wegen der Festungshaft Hitlers Pilgerstätte der Hitlerjugend und 1944 wurde bis zum Ende des Zweiten Weltkrieges um Landsberg und KauferingA complex of eleven subcamps of the Dachau concentration camp, existing from June 1944 to the End of April 1945. mit 14 KZ-Außenkommandos der größte Konzentrationslagerkomplex des Deutschen Reiches errichtet. In der Haftanstalt von Landsberg wurden ab Ende 1945 Urteile der Dachauer Kriegsverbrecherprozesse vollstreckt.

Gottfried Wagners Großmutter war Nationalsozialistin seit 1922, Hitler-Verehrerin der ersten Stunde und blieb dies bis zu ihrem Tod 1980. Bayreuth war Brutstätte des Antisemitismus und Chauvinismus schon lange vor dem Machantritt Hitlers. Als Leiterin der Wagner-Festspiele entwickelte Winifred Wagner Bayreuth in den folgenden Jahre zu einer zentralen NS-Kultstätte. Bis zur Schließung aller deutschen Theater 1944 wurden auf Weisung Hitlers Kriegsfestspiele zu propagandistischen Zwecken veranstaltet. Für die Anreise des Publikums sorgte die NS-Organisation Kraft durch Freude.

Von 1936 bis zu seinem letzten Bayreuth-Besuch 1940 bewohnte Hitler als Persönlicher Freund Winifred Wagners jährlich zur Festspielzeit das Siegfried-Wagner-Haus, einen Anbau an Haus Wahnfried. Hitler, willkommener Gast in Wahnfried, posierte gerne als „Onkel Wolf“ mit Winifreds Söhnen Wieland und Wolfgang vor der Kamera, was bis heute auf dem Festspielhügel verdrängt wird wie z. B. auch das Faktum, dass Wieland Wagner 1944 noch stellvertretender ziviler Leiter des KZ-Außenlagers Bayreuth- Flossenbürg wurde.

Weil Gottfried Wagner diese tiefe familiäre Verstrickung mit dem „Führer“ konsequent anklagte und durch gründliche historische Belege um Aufklärung stritt, wird er von der Wagner-Sippe vor allem seinem Vater geächtet. Abraham Peck und Gottfried Wagner wagten den steinigen Weg des offenen Gespräches, um zu verstehen, wie sie das Erbe ihrer jeweiligen Familiengeschichten geprägt hat und wie sie mit dieser Prägung leben. Um den Beginn eines wirklichen Dialogs zwischen Deutschen und Juden zu erreichen, müssen die, die nach 1945 geboren wurden, eine persönliche Verbindung zu dieser Geschichte finden. Sie müssen wissen, was mit ihren Eltern und in ihren Familien passierte.

Über das Persönliche hinaus geht es den Autoren um die Überwindung von Angst, Misstrauen, Hass und Schuldzuweisungen, die jede Form eines wirklichen Dialogs zwischen Deutschen und Juden der zweiten und dritten Generation nach 1945 unmöglich machen. Mit ihrem Dialog, der 1992 begann, wollen Wagner und Peck ihre Familiengeschichten als Teil einer historischen Erkenntnis begreifbar machen. Statt Schönrederei fordern sie die Bereitschaft, aus den Erfahrungen der Vergangenheit für die Gegenwart zu lernen und zu handeln. Beide verbindet das Engagement für Menschenrechte und zwischenreligiöse Dialoge als Reaktion auf ihre Lebensgeschichten, die für Abraham Peck, 1946 in Landsberg und Gottfried Wagner 1947 in Bayreuth als Geburtsstädte und einstige Hitler-Hochburgen begannen. Sie haben sich gemeinsam auf eine Reise durch Zeit und Trauma begeben zu den Orten der Erinnerung an familiäre und deutsche Vergangenheit - Landsberg, Bayreuth, LodzCity in incorporated western Poland, renamed Litzmannstadt, where the first major ghetto was created in April 1940. By September 1941, the ghetto's population faced severe overcrowding. In October 1941, 20,000 Jews from Germany, Austria, and the Protectorate of Bohemia and Moravia were deported to the Lodz ghetto. A separate section of the ghetto was set up for approximately 5,000 Austrian Roma and Sinti. During 1942 and June-July 1944, there were massive deportations from Lodz to the killing center in Chelmno. In August-September 1944, the ghetto was dissolved and the remaining 60,000 Jews were sent to Auschwitz., Auschwitz und all die anderen Orte.

In diesen Dialog haben sie auch ihre Kinder und nächsten Verwandten einbezogen, eine Familiengeschichte, die für Gottfried Wagner keine Verdrängung und Leugnung gestattet. Er wurde durch seine Aufdeckung der Lebenslügen des Bayreuther Wagner Clans von diesem nicht nur verstoßen. Die beleidigte bis heute aus öffentlichen Mittel hochsubventionierte Kulturfima Wagner tat seit seiner Autobiographie „Wer nicht mit dem Wolf heult“ ( (1997) und tut bis heute skrupellos weiterhin alles, um ihn, den „Unbotmäßigen“, der sich nicht aus Karrieregründen anpasste, persönlich zu diffamieren und beruflich total zu boykottieren.

Die Autoren geben den Nachgeborenen von Tätern und Opfern ein Beispiel: Stellt euch schonungslos der eigenen Familiengeschichte. Geht aufeinander zu - redet miteinander!

Das Buch „Unsere Stunde Null. Deutsche und Juden nach 1945: Familiengeschichte, Holocaust und Neubeginn. Historische Memoiren" kann nicht nachdrücklich genug zur Lektüre empfohlen werden.

Gottfried H. Wagner, ist Regisseur und freiberuflicher Musikhistoriker mit Schwerpunkt deutsch-jüdische Geschichte des 19.und 20. Jahrhunderts, Antisemitismus und Musik bei Richard Wagner, Kurt Weill, „Entartete MusikTitle of a Düsseldorf exhibit shown as part of the "Reich Music Days" in 1938. A defamatory Nazi concept used to designate modern avant-garde music, jazz and swing music.", Kultur in Theresienstadt, setzt sich mit der Geschichte des Nationalsozialismus und dessen Folgen bis heute auseinander. Er promovierte in Wien mit einer Arbeit über Kurt Weill und Bertold Brecht. Für seine humanitären, historischen und musikwissenschaftlichen Arbeiten erhielt er zahlreiche Auszeichnungen. Seit 1983 lebt er in Italien.

Abraham J. Peck, leistete Pionierarbeit als Historiker der Geschichte von Holocaust-Überlebenden und der jüdischen Internierungslager (Jewish DPA survivor of a concentration or labor camp. Millions of displaced persons were encountered by the Allies when they entered the German Reich, most were repatriated within the first four months of the war's end. camps) nach 1945. Peck war Direktor der wissenschaftlichen Forschung der American Jewish Historical Society in New York City, Direktor des Holocaust Museums Houston und Verwaltungsdirektor des American Jewish Archives in Cincinnati/Ohio. Er ist Direktor des akademischen Beirates für Christlich-Jüdisch-Islamische Post-Holocaust-Studien an der Universität von Southern Maine in Portland/USA, lehrt dort am Fachbereich Geschichte und Judaistik.